Ein Bär mit einem unstillbaren Appetit auf Honig, ein ängstliches Ferkel und ein Esel, der immer brummig und schlecht gelaunt ist: Seit 100 Jahren begeistern die Geschichten aus dem Hundertmorgenwald Kinder und Erwachsene. Und beim Wiederlesen oder Wiedersehen entdeckt man manches, das einem früher gar nicht aufgefallen ist.
Winnie Puuh ist nicht besonders schlau. Er ist auch nicht mutig, sportlich oder geschickt. Am liebsten würde er den ganzen Tag nur Honig naschen und seine Freunde besuchen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – gehört er zu den beliebtesten Kinderbuchfiguren überhaupt.
1926 veröffentlichte der britische Schriftsteller A. A. Milne sein Buch Winnie-the-Pooh. Bei den Geschichten ließ er sich von den Stofftieren seines Sohnes Christopher Robin inspirieren. Illustrator E. H. Shepard gab Puuh und seinen Freunden ihr unverwechselbares Aussehen. Später machte Disney den kleinen Bären einem noch größeren Publikum bekannt.
Zum 100. Geburtstag haben wir die Geschichten aus dem Hundertmorgenwald noch einmal Revue passieren lassen. Und festgestellt: Von Puuh, Ferkel, I-Aah und den anderen Waldbewohnern kann man sich auch heute noch einiges abschauen.

20 Dinge, die wir von Winnie Puuh lernen können
1. Freunde dürfen ziemlich unterschiedlich sein
Ein ängstliches Ferkel, ein schlecht gelaunter Esel, ein ordnungsliebendes Kaninchen und ein Tiger, der wild herumhüpft: Im Hundertmorgenwald trifft man auf die unterschiedlichsten Charaktere. Dass sich alle immer einig wären, kann man nun wirklich nicht behaupten. Aber wenn es darauf ankommt, halten sie zusammen. Und niemand muss sich verbiegen, um dazuzugehören.
2. Ein guter Tag braucht kein großes Programm
Puuh freut sich über einen Topf Honig, einen Besuch bei oder von Ferkel oder einen Spaziergang durch den Wald. Mehr muss gar nicht passieren. Das ist besonders schön an diesen Geschichten: Die Abenteuer entstehen meistens ganz nebenbei, während die Freunde eigentlich etwas völlig Alltägliches tun.
3. Nicht immer alles zu wissen, kann auch schön sein
Winnie Puuh bezeichnet sich selbst als einen Bären von geringem Verstand. Tatsächlich versteht er vieles falsch und kommt bei seinen Überlegungen auf die merkwürdigsten Ideen. Aber er lässt sich davon nicht entmutigen. Er fragt nach, probiert etwas aus und macht einfach weiter. Wie langweilig wäre der Hundertmorgenwald schließlich, wenn dort immer alle sofort die richtige Antwort hätten oder alles wüssten?
4. Manchmal darf man einfach herumtrödeln
Puuh hat selten einen besonders vollen Terminkalender. Er kann lange über etwas nachdenken, ohne zu einem Ergebnis zu kommen, oder einfach ohne Absichten durch den Wald spazieren. Kinder lieben solche Tage, an denen nichts geplant ist und sie selbst entscheiden können, was sie machen möchten. Warum gönnen wir uns das eigentlich so selten?
Die süßen blauen Helden sorgen aktuell auf der großen Leinwand für Unterhaltung. In “Die Schlümpfe:…
5. Auch Angsthasen können mutig sein
Das kleine Ferkel macht sich ständig Sorgen. Er fürchtet sich vor unbekannten Geräuschen, seltsamen Tieren und eigentlich vor allem, was ihm nicht ganz geheuer ist. Trotzdem lässt es seine Freunde nicht im Stich. Und manchmal überrascht es sich selbst damit, was es sich alles zutraut.
6. Gemeinsam findet man leichter eine Lösung
Zugegeben, die Rettungsaktionen im Hundertmorgenwald verlaufen nicht immer nach Plan. Manchmal wird alles erst einmal schlimmer, bevor es besser wird. Aber wenn einer der Freunde Hilfe braucht, sind die anderen zur Stelle. Selbst dann, wenn sie eigentlich keine Ahnung haben, was sie tun sollen.
7. Nicht jeder muss so sein wie wir
Rabbit würde vermutlich am liebsten den gesamten Hundertmorgenwald straff organisieren. Tigger dagegen hält sich selten an irgendwelche Pläne. Und I-Aah findet ohnehin an fast allem etwas auszusetzen. Puuh nimmt seine Freunde, wie sie sind. Ihre Eigenheiten gehören für ihn einfach dazu.
8. Die besten Ideen sind nicht immer vernünftig
Wer sonst käme auf den Gedanken, sich mit einem Luftballon als Regenwolke zu tarnen, um an Honig zu gelangen? Puuhs Einfälle sind manchmal herrlich absurd. Natürlich geht dabei auch einiges schief. Aber gerade das macht seine Abenteuer so unterhaltsam. Ein bisschen Unsinn darf sein und sich selbst nicht allzu ernst nehmen, macht alles viel leichter.
9. Man muss nicht immer etwas sagen
I-Aah ist häufig traurig und lässt sich nur schwer aufmuntern. Seine Freunde versuchen es trotzdem, mal mit mehr, mal mit weniger Geschick. Puuh gehört zu denen, die einfach vorbeischauen und Zeit mit ihm verbringen. Das hilft vielleicht nicht gegen jede schlechte Laune, ist aber oft genau das, was man von einem Freund braucht. Gemeinsam auf einer Wiese sitzen, nicht viel sagen, einfach zusammen sein ohne große Erwartungen oder Ansprüche.
10. Honig macht das Leben schöner
Zumindest, wenn man Winnie Puuh heißt. Seine Begeisterung für Honig kennt praktisch keine Grenzen. Er denkt morgens daran, mittags und vielleicht sogar noch im Schlaf. Dass er deswegen einmal in Rabbits Eingang stecken bleibt, ist natürlich weniger erfreulich. Aber jeder hat schließlich etwas, dem er nur schwer widerstehen kann.
11. Peinliche Missgeschicke passieren jedem
Apropos Rabbits Eingang: Wer sich so sehr den Bauch vollschlägt, dass er anschließend nicht mehr durch die Tür passt, hat eindeutig einen Fehler gemacht. Puuh nimmt es erstaunlich gelassen. Und seine Freunde helfen ihm aus der Klemme. Auch wenn das in diesem Fall etwas länger dauert.


12. Wenn man die Perspektive verändert, sieht die Welt plötzlich ganz anders aus
Während Rabbit versucht, Ordnung in das Leben seiner Freunde zu bringen, stürzt Tigger sich voller Begeisterung ins nächste Abenteuer. Was der eine für eine gute Idee hält, findet der andere schrecklich. Solche Unterschiede sorgen regelmäßig für Verwirrung. Aber eben auch dafür, dass die Freunde immer wieder etwas Neues entdecken.
13. Man muss nicht der Beste sein
Puuh gewinnt keine Wettbewerbe, er glänzt nicht mit seinem Wissen und wäre als Anführer vermutlich eine ziemliche Fehlbesetzung. Trotzdem ist er bei seinen Freunden beliebt. Er ist freundlich, hilfsbereit und meistens gut gelaunt. Das reicht vollkommen.
14. Kleine Aufmerksamkeiten sind manchmal die schönsten Geschenke
Als I-Aah Geburtstag hat, möchten Puuh und Ferkel ihm eine Freude machen. Puuh bringt einen leeren Honigtopf mit, Ferkel die Überreste eines Luftballons. Was zunächst nach ziemlich missglückten Geschenken aussieht, macht I-Aah tatsächlich glücklich: Der geplatzte Ballon passt wunderbar in den Topf und lässt sich immer wieder herausnehmen. Für uns eine der schönsten Szenen aus den Geschichten.
15. Niemand muss immer fröhlich sein
I-Aah sieht das Leben meistens von seiner weniger erfreulichen Seite. Er erwartet nicht besonders viel und ist nur schwer zu begeistern. Trotzdem laden ihn seine Freunde zu ihren Unternehmungen ein und denken an ihn. Sie wissen schließlich, dass er dazugehört, auch wenn er gerade mal wieder keine Lust hat, fröhlich zu sein.
16. Fragen stellen lohnt sich
Puuh versucht ständig herauszufinden, wie die Dinge funktionieren. Dabei ist seine Logik nicht immer ganz nachvollziehbar. Aber seine Neugier führt ihn zu immer neuen Entdeckungen oder bringt andere dazu, ganz neu über Sachen nachzudenken. Und manchmal ist eine ungewöhnliche Frage tatsächlich interessanter als eine besonders kluge Antwort.
17. Ein Abenteuer braucht nicht viel
Ein Wald, ein Bach, ein paar Bäume und jede Menge Fantasie: Mehr benötigen Christopher Robin und seine Freunde nicht. Sie gehen auf Expedition, suchen nach geheimnisvollen Wesen oder erfinden neue Spiele. Der Hundertmorgenwald erinnert an jene Kindheitstage, an denen man morgens vor die Tür ging und erst zum Abendessen wieder auftauchte.
18. Großwerden ist manchmal ein bisschen traurig
In The House at Pooh Corner, dem zweiten Puuh-Buch, wird deutlich, dass Christopher Robin älter wird und seine Kindheit langsam hinter sich lässt. Besonders das letzte Kapitel ist von einer leisen Wehmut geprägt. Wer die Geschichte als Erwachsener liest, versteht vielleicht noch besser, warum dieser Abschied so berührt.
19. Man muss nicht immer die richtigen Worte finden
Puuh redet manchmal Unsinn, verwechselt Begriffe und formuliert seine Gedanken ziemlich umständlich. Aber wenn ein Freund ihn braucht, ist er da. Er macht sich Gedanken, besucht ihn und versucht zu helfen. Und das zählt am Ende mehr als eine besonders kluge Rede oder tolle Ratschläge.
20. Manchmal ist alles gut, so wie es ist
Im Hundertmorgenwald gibt es natürlich auch Streit, Sorgen und kleine Katastrophen. Aber zwischendurch sitzen die Freunde einfach zusammen, erzählen sich etwas oder genießen einen schönen Tag. Es muss nicht ständig etwas Aufregendes passieren. Vielleicht sind es gerade diese unspektakulären Momente, an die man sich später besonders gern erinnert oder die beim Vorlesen dieses wohlige Gefühl erzeugen.
Warum wir Winnie Puuh auch als Erwachsene noch lieben
Als Kinder fanden wir es lustig, wenn Puuh im Kaninchenbau stecken blieb oder Ferkel sich vor einem vermeintlichen Ungeheuer fürchtete. Heute amüsieren wir uns noch immer darüber, einfach weil alle Charaktere im Umfeld von Winnie Puuh so unglaublich liebenswert sind. Aber wir entdecken auch andere Seiten an den Geschichten.
Da ist I-Aah, der mit seiner schlechten Laune immer dazugehört. Ferkel, das zwar klein ist und oft Angst hat, am Ende aber mutiger ist, als es selbst glaubt und oft über sich hinauswächst. Und Puuh, der weder besonders klug noch besonders geschickt sein muss, damit seine Freunde ihn mögen und wir ihn in unser Herz schließen.
Im zauberhaften Hundertmorgenwald ist Platz für ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, für schlechte Tage und ziemlich dumme Ideen. Und selbst wenn alles schiefgeht, gibt es meistens jemanden, der vorbeikommt, um zu helfen.mZum Glück hat A. A. Milne uns diese kleine Welt hinterlassen. Denn auch nach 100 Jahren macht es noch Spaß, dorthin zurückzukehren.
Oder, wie Christopher Robin zu seinem kleinen Bären sagte: “Du bist mutiger als du meinst, stärker als du scheinst und klüger als du denkst.” Brauchen wir nicht alle jemanden, der uns dann und wann so etwas Nettes sagt?
IMMER AUF
DEM NEUSTEN
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